Stammbaum des Traditionellen Yang Stils


1. Generation. Die Geschichte des Yang-Stils beginnt mit Yang Luchan (auch: Yang Fukui, 1799 – 1872) aus Yong Nian Xian in der Provinz Hebei. In seiner Jugend ging er nach Chen Jia Gou in der Provinz Henan, um dort als Hausdiener in der Chen Familie (Chen Changxing, 14. Generation) zu arbeiten. Damals war es unüblich, dass Fremde im Familienstil des Tai Chi unterrichtet wurden. Die Geschichte erzählt, dass Yang Luchan nachts heimlich das Training von Chen Changxing beobachtete, und anschließend in seinem Zimmer das Gesehene selbst trainierte. Eines Tages muss ihn Chen wohl beim Training gesehen haben und ließ ihn dann gegen seine älteren Schüler antreten – von denen ihn keiner besiegen konnte. So bemerkte Chen das Potential von Yang und begann dann, ihn zu unterrichten.

Nach dem Studium des Chen-Stils kehrte Yang Luchan in seine Heimat zurück und unterrichtete Tai Chi. Man nannte seinen Stil „Yang-Stil“ oder auch „Soft-Stil“, weil er gegnerische Kräfte mit der Weichheit seiner Bewegungen neutralisieren konnte. Auf seinen späteren Reisen ist er öfter von bekannten Kampfkunstmeistern herausgefordert worden, doch niemand konnte ihn besiegen – und niemanden hat Yang ernsthaft verletzt. Deshalb bezeichnete man ihn auch als „Yang Wu Di“, den „unbesiegbaren Yang“.

2. Generation. Yang Luchan hatte drei Söhne. Der erste starb früh, der zweite war Yang Banhou (auch Yang Panhou, 1837-1892). Banhou war bekannt für den „kleinen Rahmen“, für die mehr kampfsportorientierte Komponente des Tai Chi, für seinen mürrischen Charakter und für sein extrem hartes Training, das kaum ein Schüler durchstehen konnte. Der dritte Sohn von Yang Luchan, Yang Chienhou (auch Yang Jienhou, 1839-1917, Bild rechts), hat den „großen Rahmen“ und das heute verbreitete „weiche“ Yang Stil Tai Chi bekannt gemacht. Yang Chienhou’s Fähigkeiten waren besonders im Aussenden innerer Energie und in der Verbindung von Härte und Weichheit angesiedelt. Außerdem war er ein Spezialist für Säbel und Speer. Auch war er für seinen warmherzigen und freundlichen Charakter bekannt.

3. Generation. Yang Chengfu (1883-1936), dritter Sohn von Yang Chienhou, reiste viel und verbreitete den Yang Stil in ganz China. Er gilt als der berühmteste Meister des Yang Stils im letzten Jahrhundert. Dennoch wurden von den Tausenden Schülern nur wenige in die Tradition und Geheimnisse des Familien-Stils eingeweiht. Unter diesen wenigen waren jedoch mit Sicherheit seine Söhne, von denen der erste (Yang Shouchung) und der dritte (Yang Zhenduo) die bekanntesten sind. Yang Chengfu war warmherzig, intelligent und besaß außergewöhnliche Kenntnisse und Fähigkeiten im Tai Chi Chuan.

Yang Chengfu entfernte explosive Bewegungen, Sprünge und den extrem tiefen Stand aus der Tai Chi Form. Charakteristisch für seine Form ist die entspannte, jedoch sehr energetische Ausführung. Sie kann nach Alter, Geschlecht, Gesundheits-zustand etc. angepasst werden und ist deshalb sowohl zur Gesunderhaltung als auch zur Stärkung des Körpers und Geistes bis hin zu einem hohen Level der Kampfkunst einsetzbar

4. Generation. Yang Sau Chung, (auch Yang Shouchung, oder Yang Zhenming, 1910-1985), der erste Sohn von Yang Chengfu, wurde von diesem seit dem 8. Lebensjahr in Tai Chi Chuan ausgebildet und wurde der Nachfolger in der Familientradition. Obwohl Yang Sau Chung als eine der letzten Legenden im Tai Chi Chuan überhaupt gilt, gibt es leider wenig Bildmaterial über ihn.

Bedingt durch die gesellschaftlichen Veränderungen in China, wanderte Yang Sau Chung 1949 zusammen mit seiner Frau Yang Kwok-Yee nach Hongkong aus, wo er bis zu seinem Tod 1985 unterrichtete

5. Generation. Traditionell wurde Tai Chi Chuan immer vom Vater an dessen Sohn weitergegeben. Yang Sau Chung hatte keine Söhne. Deshalb gab er sein umfangreiches Wissen zwar an seine Töchter (Yang Tai Yee = Amy, Yang Ma Lee = Mary und Yang Yee Lee = Agnes) und an drei Meisterschüler weiter (Ip Tai Tak, Gin Soon Chu und King Hung Chu), der offizielle „Lineholder“ wurde dann aber keine seiner Töchter, sondern Ip Tai Tak (Bild rechts).

Ip Tai Tak war seit 1955 Meisterschüler von Yang Sau Chung. Er veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Tai Chi Revelations“, indem er auf fast ein halbes Jahrhundert Austausch mit Yang Sau Chung zurückblickt.

6. Generation. Ding Teah Chean (auch: John Ding) hatte von Kindesbeinen an externe Kampfkünste gelernt. Er trainierte unter verschiedenen Shaolin Kung Fu Meistern und erreichte einen außerordentlichen Level, bevor er sich ganz der internen Kampfkunst verschrieb. Er ist einer der wenigen, die intensiv mit allen drei Meisterschülern von Yang Sau Chung trainierten: Chu King Hung (3. Meisterschüler), Chu Gin Soon (2. Meisterschüler) und Ip Tai Tak (1. Meisterschüler). Es gibt nur wenige Lehrer im Westen, die die höheren Aspekte und die interne Energie dieser Kampfkunst demonstieren – und vor allem unterrichten! – können.

Am 1. Januar 1998 wurde Ding Teah Chean zum 1. Meisterschüler von Ip Tai Tak ernannt und ist inzwischen der Lineholder des Yang Stils in der 6. Generation.